Crowdlending bedeutet, dass viele Anleger über eine Plattform gemeinsam einen Kredit finanzieren und dafür Zins und Tilgung erhalten. Nach dem ESMA-Marktbericht 2025 beteiligten sich 2024 in der EU über 5,5 Millionen Anleger an mehr als 10.000 kreditbasierten Projekten. Eine Einlagensicherung besteht nicht.
Wer leiht beim Crowdlending wem Geld?
Beim Crowdlending leihen Anleger Geld an Unternehmen, Immobilienprojekte oder Verbraucher, vermittelt über eine Plattform, die beide Seiten zusammenbringt.
Nach Angaben der BaFin wählt der Plattformbetreiber die Projekte aus, bewertet sie oft selbst und erhält dafür eine Provision. Auf der Anlegerseite dominieren Privatpersonen, denn im EU-Crowdfunding waren 2024 88 % der Anleger Kleinanleger. Während sie über alle Crowdfunding-Arten hinweg im Schnitt rund 660 € anlegten, sammelte ein kreditbasiertes Projekt im Mittel rund 240.000 € ein. Rechnerisch braucht ein solches Projekt damit gut 360 durchschnittliche Kleinanlegerbeträge.
Was der Anleger rechtlich hält, hängt vom Modell ab. Bei Mintos erwerben Anleger Notes, hinter denen Kreditforderungen stehen. Den Rechtstitel daran hält der Emittent der Notes, sodass Anleger den Kreditnehmer nicht selbst verfolgen können. Den Kredit vergibt dort der Originator (bei Mintos Lending Company genannt). Er finanziert ihn zunächst aus eigenen Mitteln und behält laut Mintos einen Teil jedes Kredits in den eigenen Büchern. Dagegen beschreibt die BaFin für Deutschland ein anderes Modell: Ein Kreditinstitut vergibt den Kredit und verkauft den Rückzahlungsanspruch an einzelne Anleger. Die Vertragsketten erklärt der Beitrag zu Struktur und Prinzipien von P2P-Krediten, den Ablauf eines einzelnen Kredits die Plattformmechanik.
Welche Kreditarten gibt es beim Crowdlending?
Plattformen finanzieren Verbraucher, kleine Unternehmen, Immobilienprojekte und Energieprojekte, wobei jede Kreditart andere Sicherheiten und Laufzeiten mitbringt.
| Kreditart | Kreditnehmer | Sicherheit und Konditionen laut Anbieter |
|---|---|---|
| Verbraucherkredit | Privatpersonen | Mintos: Personal Loans ohne Sicherheit, mehr als 31 Tage Laufzeit, meist ab drei Monaten, Rückzahlung in mehreren Raten |
| Unternehmenskredit | Kleine und mittlere Unternehmen | Mintos: gesichert oder ungesichert, zum Beispiel durch einen Fahrzeugbestand als Sicherheit |
| Rechnungsfinanzierung | Unternehmen mit offenen Kundenrechnungen | Mintos: gesichert durch die Forderungen aus den ausstehenden Rechnungen |
| Immobilienkredit (Plattformen) | Träger von Neubau- und Sanierungsprojekten | Estateguru: alle Kredite mit einer Hypothek zugunsten der Anleger gesichert; Beleihungsauslauf der baltischen Kredite 2023 bis 2025 im Schnitt 57,8 % |
| Energie- und Effizienzprojekte | Träger von Solar-, Sanierungs- und Effizienzprojekten | bettervest: Durchschnittszins 6,9 % (Dezember 2025), Warnhinweis auf möglichen Verlust des gesamten eingesetzten Vermögens |
Ertrag beim Crowdlending: Zins, Verlustquote und Rendite nach Verlusten
Anleger verdienen den Zins ihres Kreditanteils abzüglich der Verluste aus ausgefallenen Krediten.
Mintos wirbt am 29.09.2026 mit 9,2 % als gewichtetem Durchschnitt der verfügbaren Kredite. Doch diese Zahl beschreibt nur die Zinsseite. Nach der Statistik von Mintos ergibt sich die Rendite nach Verlusten als Bruttorendite abzüglich der Verlustquote, ohne Gebühren und Boni. Alle Kredite der Plattform gehen darin nach ausstehendem Anlagevolumen gewichtet ein, ähnlich einem kapitalgewichteten Aktienindex. Die eigene Rendite kann abweichen, wenn ein Anleger anders streut oder zu einem anderen Zeitpunkt einsteigt, wie Mintos selbst betont.
Für Kredite suspendierter Originatoren setzt Mintos die Abschreibungen auf Basis eigener Recovery-Schätzungen an. 2023 und 2024 lag die Verlustquote bei 0,0 % und die Rendite bei 10,4 % und 9,3 %. 2020 ergaben 10,6 % brutto und 6,3 % Verlust nur 4,3 %, und 2022 standen 7,1 % brutto einer Verlustquote von 8,2 % gegenüber, also einer Rendite von −1,2 %. Mintos nennt für 2020 Covid-19 und für 2022 den russisch-ukrainischen Krieg als Ursache.
5.000 € zu 10 % Zins bringen 500 € im Jahr. Bei einer Verlustquote von 3 % gehen 150 € verloren, es bleiben 350 € oder 7 %. Mit der Verlustquote von 2022 (8,2 %) blieben hingegen 90 €, also 1,8 %. Hinzu kommen Steuern, denn Zinsen zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG) und werden mit 25 % besteuert (§ 32d EStG). Zuvor wird der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € abgezogen (2.000 € bei zusammen veranlagten Ehegatten).
Ein Kreditnehmer kann laut Mintos vor Laufzeitende zurückzahlen, und nicht investiertes Geld auf dem Konto bringt keine Rendite. Deshalb verdienen zurückgezahlte Beträge erst wieder Zins, wenn sie neu angelegt sind. Auto-Invest legt eingehende Rückzahlungen nach festen Regeln automatisch neu an. Der Beitrag Crowdlending-Renditen und Erträge behandelt, wie hoch die Renditen einzelner Segmente ausfallen.
Welche Risiken trägt der Anleger und welche Sicherungen gibt es?
Kreditnehmer, Originator oder Plattform können ausfallen, und laut BaFin droht bei einem Scheitern ein Totalverlust, weshalb nur risikofreudige Anleger investieren sollten.
| Risiko | Vorkehrung | Grenze der Vorkehrung |
|---|---|---|
| Kreditnehmer zahlt nicht | Sicherheiten wie Hypothek oder Fahrzeug; Verteilung auf viele Kredite | Estateguru: Verwertung dauert Monate bis über zwei Jahre, Erlöse decken zuerst die Verwertungskosten |
| Originator fällt aus | Rückkaufgarantie: Bei Mintos kauft der Originator Kredite mit mehr als 60 Tagen Verzug zurück | Nur so belastbar wie der Originator: Bei E-Cash (April 2021, 11.516 Anleger) stieg die im außergerichtlichen Vergleich verhandelte Recovery-Quote laut Mintos von unter 25 % auf 35 % |
| Plattform fällt aus | Mintos ist Mitglied des Anlegerentschädigungssystems nach Richtlinie 97/9/EG: Kleinanleger erhalten für ausstehende Verbindlichkeiten von Mintos aus Notes eine Entschädigung von höchstens 20.000 € (Stand Mintos-Hilfeartikel vom 02.04.2025) | Deckt keine Kursverluste und keine Ausfälle von Kreditnehmer, Originator oder Emittent |
| Ausstieg vor Laufzeitende | Verkauf auf dem Sekundärmarkt | Mintos: Im Sekundärmarkt ist ein Käufer nicht garantiert, der Verkauf kann mit Abschlag erfolgen, der Markt kann fehlen |
| Fremdwährung | Anlage in der Heimatwährung | Mintos: Der Wert einer Fremdwährungsanlage kann gegenüber der Heimatwährung fallen |
| Nachrangklausel | Vertragsart vor der Anlage prüfen | BaFin: Das Unternehmen darf Zins und Rückzahlung verweigern, wenn sie zur Insolvenz führen würden; bei einem qualifizierten Nachrangdarlehen mit vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre entfällt der Rückzahlungsanspruch laut BaFin vollständig, wenn die Rückzahlung den Insolvenzfall auslösen würde |
Für Kredite an Unternehmen gilt zusätzlich die europäische Crowdfunding-Verordnung (ECSPR, Verordnung (EU) 2020/1503), die seit dem 10. November 2021 anwendbar ist und Plattformen vier Schutzpflichten vorschreibt:
- Anlagebasisinformationsblatt: Für jedes Angebot höchstens sechs A4-Seiten, mit dem Warnhinweis, dass die Anlage nicht durch Einlagensicherung oder Anlegerentschädigung geschützt ist, und der Empfehlung einer Obergrenze von 10 % des Reinvermögens (Art. 23).
- Wissenstest und Verlustsimulation: Nicht erfahrene Anleger durchlaufen vor dem Zugang eine Prüfung ihrer Kenntnisse und eine Simulation, ob sie einen Verlust von 10 % ihres Reinvermögens tragen können (Art. 21).
- Zusatzwarnung bei größeren Beträgen: Übersteigt der Betrag je Angebot den höheren Wert aus 1.000 € und 5 % des Reinvermögens, muss die Plattform bei nicht erfahrenen Anlegern eine Risikowarnung anzeigen und deren ausdrückliche Zustimmung einholen (Art. 21 Abs. 7).
- Bedenkzeit: Vier Kalendertage nach dem Gebot lässt sich das Angebot ohne Begründung und ohne Vertragsstrafe widerrufen (Art. 22).
Kredite an Verbraucher sind von der Verordnung ausgenommen. Eine ausführliche Risikoanalyse liefert der Beitrag Crowdlending-Risiken.
Crowdlending, Tagesgeld und Bundesanleihe im Vergleich
Crowdlending unterscheidet sich von Tagesgeld und Bundesanleihe durch den Schuldner, die Absicherung und die Möglichkeit, das Geld vorzeitig zurückzuholen.
| Merkmal | Tagesgeld | Bundesanleihe | Crowdlending |
|---|---|---|---|
| Schuldner | Die Bank | Die Bundesrepublik Deutschland | Der Kreditnehmer, vermittelt über Originator und Plattform |
| Zins | Die Bank kann den Zinssatz täglich ändern | Fester jährlicher Zins, zum Beispiel 3 % bei der Anleihe 2026/2036 | Je Kredit vereinbart; das Ergebnis hängt von den Verlusten ab (Mintos 2022: −1,2 %) |
| Absicherung | Gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Kunde und Bank (EdB) | Rückzahlung zum vollen Nennwert bei Fälligkeit (Finanzagentur) | Keine Einlagensicherung; Entschädigung allenfalls, wenn die Plattform selbst Anlegergelder nicht zurückgibt (Mintos, bei Notes: bis 20.000 €); Totalverlust möglich |
| Ausstieg | Jederzeit ohne Kündigungsfrist | An jedem Börsentag verkäuflich; der Kurs sinkt, wenn der Marktzins steigt | Feste Laufzeit; vorzeitiger Verkauf an andere Anleger, über den Sekundärmarkt oder bei Mintos Core Loans über das Cash-out |
| Laufzeit | Keine feste Laufzeit | 7, 10, 15, 20 oder 30 Jahre | PeerBerry: bis 180 Tage oder 180 Tage bis 4 Jahre |
Mintos stellt seine Kredite selbst ins Verhältnis zu anderen Anlageklassen. Von 2020 bis 2024 lag die annualisierte Rendite nach Verlusten bei 6,0 %, gegenüber 0,8 % für Einlagen, 3,4 % für Hochzinsanleihen und −0,1 % für Anleihen guter Bonität. Aktien kamen laut Mintos-Vergleich auf 9,4 %. Diese Vergleichstabelle führt 2023 und 2024 mit 10,8 % und 10,7 %, die Jahresreihe oben dagegen mit 10,4 % und 9,3 %. Als Maßstab für Einlagen dient dort ein Euro-Geldmarktfonds, für die übrigen Klassen dienen Indizes und Fonds.
Crowdlending lag damit im Fünfjahresschnitt vor Einlagen und Anleihen, aber hinter Aktien. Die Einlagen-Vergleichsgröße übertraf es 2020 und 2021. 2022 blieb es mit −1,2 % dahinter (Einlagen: −0,1 %). Dennoch verlor es weniger als Anleihen guter Bonität (−13,6 %).
Crowdlending und Crowdfunding: die vier Modelle der BaFin
Die BaFin unterscheidet innerhalb des Oberbegriffs Crowdfunding vier Modelle:
- Crowdinvesting: Beteiligung an künftigen Gewinnen oder Erwerb eines Wertpapiers. In Deutschland läuft es üblicherweise über Nachrangdarlehen nach dem Vermögensanlagengesetz mit fester Verzinsung.
- Crowdlending: Nicht nachrangiger Darlehensvertrag, den meist eine Plattform zwischen einem Kreditinstitut und dem Projektinhaber vermittelt.
- Crowddonating: Spende ohne Gegenleistung.
- Reward-based Crowdfunding: Symbolische, nicht monetäre Anerkennung wie der Name im Filmabspann.
Spende und Gegenleistung gelten laut BaFin nicht als Geldanlage. Crowdlending und Crowdinvesting lassen sich in Deutschland nicht als Fremd- gegen Eigenkapital gegenüberstellen, denn auch Crowdinvesting ist meist ein Darlehen, allerdings ein nachrangiges. Den Begriffsvergleich vertieft der Terminologie-Leitfaden, die Formen im Überblick zeigt Arten von Crowdfunding.
Wie viel des Reinvermögens gehört in Crowdlending?
Nach der ECSPR müssen Plattformen davor warnen, mehr als ein Zehntel des Reinvermögens in Crowdfunding zu binden.
Bei 60.000 € Reinvermögen wären das höchstens 6.000 €. Halbiert sich dieser Betrag durch Ausfälle, sinkt das Gesamtvermögen um 3.000 €, also um 5 %. Als Faustregel der Redaktion gehört nur Geld hinein, dessen Verlust die eigene Planung nicht ändert. Der Notgroschen darf nie riskiert werden. Wie der Einstieg von der Plattformwahl bis zur ersten Anlage abläuft, beschreibt der Leitfaden für Anleger. Ein eigener Beitrag zu den fünf häufigsten Fehlern sammelt typische Anfängerfehler bei der Streuung.
Fragen und Antworten zu Crowdlending
Ist Crowdlending durch die Einlagensicherung geschützt?
Nein, denn die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 € je Kunde und Bank gilt für Bankguthaben, und das Anlagebasisinformationsblatt der ECSPR muss ausdrücklich darauf hinweisen, dass Einlagensicherung und Anlegerentschädigung für die Anlage nicht greifen.
Ab welchem Betrag kann ich in Crowdlending investieren?
Ein Einstieg ist mit 10 bis 50 € möglich. PeerBerry verlangt mindestens 10 € pro Kredit, Mintos nennt einen Einstieg ab 50 €. Eine zweite Grenze zieht die ECSPR bei größeren Einzelbeträgen (Art. 21 Abs. 7). Legt ein nicht erfahrener Anleger mit 40.000 € Reinvermögen mehr als 2.000 € in ein Angebot, erhält er eine Risikowarnung und muss der Plattform ausdrücklich zustimmen. Bei 10.000 € Reinvermögen liegt die Grenze bei 1.000 €, denn 5 % ergeben nur 500 € und der höhere Wert gilt.
Was bedeutet Originator beim Crowdlending?
Der Originator ist das Unternehmen, das den Kredit an den Kreditnehmer ausgibt und über die Plattform an Anleger weiterreicht. Bei den meisten Mintos-Krediten ist ein Rückkauf durch ihn vorgesehen, sodass seine Zahlungsfähigkeit zur Anlageentscheidung gehört.
Worin unterscheidet sich Crowdlending von Crowdinvesting?
Ein Crowdlending-Kredit ist ein Darlehen ohne Nachrang. Crowdinvesting läuft hingegen über eine Gewinnbeteiligung oder ein Wertpapier, in Deutschland meist über ein Nachrangdarlehen. Beim Nachrangdarlehen erhalten Anleger im Insolvenzfall Zinsen und Kapital erst, wenn alle anderen Gläubiger bedient sind. Die BaFin empfiehlt deshalb, vor jeder Anlage die Vertragsdetails zu prüfen.
Komme ich bei Crowdlending so schnell an mein Geld wie bei einer Bundesanleihe?
Nein. Eine Bundesanleihe lässt sich an jedem Börsentag verkaufen. Ein Crowdlending-Kredit läuft dagegen über eine feste Laufzeit, von mehr als 31 Tagen bei Verbraucherkrediten auf Mintos bis zu vier Jahren bei langfristigen PeerBerry-Krediten. Für einen früheren Ausstieg braucht es andere Anleger als Käufer. Dafür bietet PeerBerry seit dem 15. Januar 2026 gebührenfrei einen Sekundärmarkt an, mit Abschlägen bis 50 % und frühestens 180 Tage nach der Anlage. Im Sekundärmarkt von Mintos bleibt offen, ob sich ein Käufer findet, während das Cash-out der Core Loans laut Mintos unter normalen Marktbedingungen meist einige Stunden dauert.
Ab welcher Verlustquote schneidet ein Kredit mit 10 % Zins schlechter ab als eine Bundesanleihe mit 3 %?
Liegt die Verlustquote über 7 Prozentpunkten, fällt das vereinfachte Ergebnis unter die 3 % einer zu 100 % erworbenen Anleihe des Bundes mit 3 % Kupon. Denn 10 % Zins minus 7 % Verlust ergeben genau 3 %. Die Verlustquote von Mintos lag 2022 bei 8,2 % und in den übrigen Jahren des Zeitraums höchstens bei 6,3 %. Gebühren, Steuern und Wiederanlage sind in dieser Rechnung nicht enthalten.